Jakobsweg

Königsetappe – Jakobsweg

Wie endete Tag 8? Nachdem der Morgen ja sehr schleppend angefangen hat, ging es am Mittag schon besser, da die Temperaturen auch angenehmer wurde. Ich näherte mich

immer mehr der Königsetappe und die Landschaft änderte sich in eine grüne Bergkulisse. Immer wieder dicke Regenschauer. Ich kann mir nicht nochmal erlauben, bis auf die Haut nass zu werden, also muss ich mich ständig unterstellen. Offene Garage, Bushaltestelle, Brücke – egal – hauptsache trocken.
Ich erreiche Ruitelán – ab jetzt geht’s stetig bergauf. 10km – das ist doch wohl zu schaffen. 2km schaffe ich noch zu fahren und dann geht nichts mehr. Keine Chance.
Fahrradschuhe gegen Turnschuhe getauscht. Aber es ist ein Unterfangen. Das Fahrrad mit seinen Satteltaschen zieht unheimlich nach unten. Richtig schieben kann ich nicht, da ich immer wieder mit dem Fuß zwischen Satteltasche und Straße komme. Immer wieder muss ich anhalten. Die Arme zittern. Wenn ich pausiere ziehe ich die Bremse vom Fahrrad an und trotzdem rutscht es den Berg hinunter. Ich weiß, dass ich es geschafft habe. Aber wie? Keine Ahnung. 3 Stunden Arbeit – selbst der Regen war mir irgendwann egal. Auf 1350m Höhe angekommen findet sich eine kleine Hausansiedlung. Mehr ist es nicht. Unvorstellbar für mich, die Nacht hier zu verbringen. Ich fahre weiter. Nach einer kleinen Abfahrt wieder 2 km einen Anstieg hinauf. Ich bin am Limit. Aber kein Ort in Sicht. Jetzt geht es bergab, aber leider nur eine Senke, d.h. hinten wieder hoch. Rechts ein ganz kleines Dorf. Treffe eine Entscheidung, denn gleich nach einer Abfahrt kommt wieder eine Hochebene. Ok. Ich bleibe. Ich bekomme das letzte Bett. Ich bin so froh. Draußen kannst du den Nebelschwaden zusehen, wie sie den Berg für die Nacht umhüllen. Eine Kälte … unbeschreiblich. Ich gucke zu, dass ich aus den nassen Klamotten rauskomme. Keine Möglichkeit zum trocknen – nur draußen – witzig. Alles stinkt – widerlich. Und so muss ich die Sachen mit in den Schlafsaal nehmen. Jedoch beim Eintreten merke ich, dass die anderen 17 es auch so machen mussten. Boaaaaah … was für eine Muffbude. Aber warm. Ich gehe duschen.
Meine Frage – die ich mir auch hätte schenken können – nach einem Supermarkt wurde verneint. Es gibt nur eine kleine Bar. Ich habe nur noch trockenes Brot in der Tasche. Also auf zur Bar. Es gibt nur ein Essen. Ok, das nehme ich. Kartoffeln mit grünen dicken Bohnen und Wurst. Es ist herrlich. Es wäre das Essen, welches ich mir nie bestellen würde, aber es tut so gut. Richtig deftig. Nebenbei habe ich per Internet mit meinem Vater mit einem großen Bier angestoßen. Das ham wa uns verdient. Er war sehr unruhig heute, weil ich mich lange Zeit nicht gemeldet hatte und es mittlerweile ja echt spät geworden war. Aber jetzt ist alles gut. Ich freue mich auf’s Bett. Und gelernt habe ich auch etwas: Jetzt weiß ich, was Königsetappe heißt und bedeutet.

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2 Kommentare zu „Königsetappe – Jakobsweg

  1. Meine Güte, was eine Anstrengung!! Da stockt mir der Atem beim Lesen!!! Du kannst sooooooo stolz sein!!! Une ich hatte gedacht, dass Du wenigstens gutes Wetter hast, bzw. ich hatte eher vermutet, dass die Hitze Dir zusätzlich zu schaffen macht. Aber immer dieser Regen und Wind…..da fragt man sich was schlechter ist.

    1. Das nächste Mal definitiv im August. Alle schieben im Vorfeld Panik wegen evtl. Hitze. Ich würde die vorziehen. Da kann ich langsam machen oder Schatten suchen. Bei Kälte ……?

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