Jakobsweg

Caminho Portugués – Tag 2

Gut habe ich geschlafen. Da ich allerdings in einem Hostel (9€)bin, ist morgens natürlich kein allgemeines Packen angesagt, wie in einer Pilgerherberge. Als ich das erste Mal um halb sechs wach wurde, kamen die Letzten vom Party machen nach zurück. Und in einem 10-Bett-Zimmer ist nun mal auch nicht so viel Platz. Also habe ich

versucht gegen 8 Uhr alles auf Samtpfoten nach draußen in den Flur zu tragen. Natürlich musste mir die Wasserflasche runter fallen. Nun gut, man kann sich nicht nur Freunde auf dem Weg machen. Im Flur waren dann die Pilger unter sich. System habe ich wieder nicht. 5x hin und her geräumt. Das was man braucht ist immer UNTEN im Rucksack – immer! Wasserschlauch ist mit 1.5l und somit 1.5kg mehr aufgefüllt. Bin gespannt, wie schnell ich mich an das Gewicht gewöhnen werde. Dank Denis, weiß ich ja jetzt, wie der Rucksack richtig eingestellt wird. Nach einem dürftigen Frühstück mache ich mich auf den Weg. Der Kaffee war übrigens ungenießbar.
Da sich mein Hostel in einem Bezirk außerhalb befindet, nutze ich die Metro ein letztes Mal und fahre auf Höhe des Flughafens – von dort wäre ich auch gestartet, wenn ich direkt gestern los gelaufen wäre. Nach 2 km bekomme ich meinen ersten Stempel im Pilgerausweis. Und ja – es macht wieder  Spaß. Zu laufen, ohne zu wissen was kommen wird. Ohne zu wissen, wo man die nächste Nacht schlafen wird. Und zu wissen, dass man nicht alles wieder zurück gehen muss – wie das ja leider oft bei heimatlichen Wanderungen der Fall ist. 
In Matosinhos passiere ich eine gewaltig Zugbrücke. 
Selbst für Fußgänger gibt es eine eigene Ampel. 
Danach geht es durch die „Fischstraße“ des kleinen Ortes. Hier herrscht reges Treiben. Ganze Wägen mit Crush-Eis werden transportiert und Fisch jeder Art. 
Es reihen sich kleine Buden aneinander – und jede hat natürlich den besten Fisch. Bevor es jetzt losgeht mit der langen Strandwanderung – vorher noch eine kleine Vitaminspritze. Der Reiseführer ist sehr empfehlenswert. 
Schnell merke ich, dass meine Gefühle hin und her schwanken. Auf der einen Seite ist es so atemberaubend, am Meer entlang zu laufen. Auf der anderen Seite fühle ich mich völlig unorganisiert, weil ich schnell merken muss, daß ich falsch angezogen bin. Es geht sehr viel Wind, so dass ich zudem mega unsicher bin, ob ich mich genug eingecremt habe. Es liegen noch 12 Tage vor mir – wäre schlecht, sofort mit einem Sonnenbrand zu starten. Also Boxenstop einlegen und um 10 Uhr nochmal Sonnencreme nachlegen und umziehen, d.h. den halben Rucksack wieder umpacken. Es ist irre beim Wandern immer wieder den Wellen zuzuschauen. Mit welcher Wucht diese hier an den Strand schlagen – ist richtig faszinierend. Bilder kann ich euch nicht viele präsentieren, denn für euch wäre jedes Bild fast gleich.

Der Weg führt heute zumeist über Holzbohlen. Stellenweise sieht es auf wie auf einer Berg- und Talbahn. Ehrlich, es war schon kaputt, bevor ich drüber gelaufen bin.

Ich genieße jede Minute. Wenn auch meine Hühneraugen (Achtung – Tabu-Thema!) mich ganz schön plagen – vor Anreise schon. Irgendwie merke ich, daß ich, der Rucksack und meine Beine noch nicht im Einklang sind. Aber egal. Die Aussicht ist grandios. Natürlich verläuft der Camino gnadenlos in der Sonne. Heute sind es „nur“ 21 Grad und es fühlt sich für mich an wie 35. Der Planet brennt unentwegt und sobald ich eine Ortschaft erreiche, laufe ich freiwillig Umwege, damit ich wenigstens mal im Schatten der Häuser laufen kann. Da am Samstag meine große Tochter und eine Freundin auf mich stoßen werden, muss ich mir die Etappen genau einplanen. Deswegen werde ich heute früher einkehren – und zwar auf einem Campingplatz.

Hier habe ich die Wahl zwischen einem 10-Bett-Zimmer für 10 € oder einem Bungalow nur für mich alleine für 14€. Wie auf dem Campingplatz üblich sind Toilette und Duschen außerhalb. Ich entscheide mich für den Bungalow – auch mit dem Hintergedanken, daß ich mein Gepäck noch mal neu sortieren kann. Aber ich weiß jetzt schon, daß ich auch morgen weniger System haben werde. Aber egal, ein Versuch ist es wert. Schaut ihn euch an! Ist er nicht wunderschön?

Okay, von innen muss ich euch jetzt keine Bilder zeigen. Dort steht ein Bett und ein Schrank und nicht mehr. Der Geruch, naja, ich hoffe er kommt vom Bungalow – bin mir aber nicht sicher, ob es schon von meinen Sachen kommt. Ich freue mich auf morgen und bin gespannt,was auch immer kommen mag …. Gute Nacht, meine Lieben.

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