Spanien

Correos – Spanische Post – Madrid

Was ich ja gar nicht gerne mache, ist, in Spanien zur Post zu gehen. Warum? Es dauert und dauert und dauert. Ich kenne es aus Deutschland so, dass man mit seinem Brief

oder Paket – fertig! – an den Schalter geht; eine durchaus zeitlich einplanbare Tätigkeit. Hier scheint das anders zu sein. Nicht umsonst gibt es hier auch in fast jeder Poststelle die Vorrichtung, um eine Nummer zu ziehen – genauso wie an der Fleisch- oder Fischtheke.

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Es kann kein Zufall sein – ähnlich wie das Gefühl, Du hättest Dich im Supermarkt an der „falschen“ Kasse angestellt – dass ich immer warten muss. Also beobachte ich die Vorgänge am Tresen. Pakete – also die reine Umverpackung eines Paketes – werden hier in Spanien oft erst am Schalter gekauft. Kann man in Deutschland auch so machen, aber dann geht man zur Seite und macht sein Postgut versandfertig. Hier wird dann in aller Ruhe der Inhalt für das Paket aus einer Tasche gekramt. Nun ist das Paket noch nicht gepackt, noch keine Adresse bzw. kein Absender versehen – geschweige denn frankiert. Nebenbei wird dem Postbeamten scheinbar noch erzählt, für wen das Paket ist und wie alt die Enkelin denn nun schon ist, wann sie denn eingeschult wird und was sie an diesem Tage tragen wird …… never ending Story.

Zweiter Schalter. Omi kann nicht mehr schreiben (bleibt die Frage, was in dem Brief drin ist?) und sie weiss die Postleitzahl leider nicht mehr. Kein Problem, der Postbeamte macht das. Währendessen muss Omi aber noch berichten, was sie noch alles einkaufen muss, wie schlecht sie mittlerweile zu Fuss ist und dass das Leben gar nicht mehr so ist, wie es einmal war.

Dritter Schalter. Ein junger Mann möchte ein Paket abholen. Er gibt den Abholschein ab – wir alle wissen doch, dass jetzt die Frage nach dem Ausweis kommt. Dieser Mann nicht. Er fragt wofür das notwendig ist ….. Erklärung folgt …… daraufhin beginnt er sein Portemonnaie zu durchsuchen. Sein Schulterzucken zwischendurch signalisiert mir – auch an diesem Schalter wird das jetzt nix. Mister Ohneausweis gibt schliesslich zu, dass er sein dringend benötigtes Papier nicht findet. Geht´s auch mit dem Führerschein? Claro, vale. Da müssen wir aber dann eine Kopie machen, d.h. der Postbeamte ist für ca. 5min hinter einer Tür verschwunden. Leute, der
ist doch eine rauchen gegangen? Und jetzt hat noch niemand begonnen, das Paket zu suchen ….. never ending Story.

Ergo – die Omi mit fehlender Postleitzahl war am schnellsten. Ich bin an der Reihe. Ich lege zwei Briefe auf den Tresen mit dem Hinweis „bitte nach Deutschland“ (wurde nämlich schon übersehen und die Post kam dann wieder zu mir zurück – unzustellbar). Die Briefe werden gewogen, frankiert – ich zahle, bedanke mich und gehe. Ca. 1,5min hat dieser Vorgang gedauert – aber ich war mindestens eine viertel Stunde in dieser Poststelle.

Ich meine das wirklich ernst, was ich hier schreibe. In der Not habe ich schon zwischen 4-6 verschiedene Poststellen „ausprobiert“ – nada, es ist immer das gleiche. Keine Chance. Vielleicht sollte ich einen extra Blog über Spanische Postgeschichten eröffnen. Unbelievable!

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6 Kommentare zu „Correos – Spanische Post – Madrid

  1. 😀 Herrlich! Aber genau das ist doch das schöne an Spanien, an Italien, die Menschen haben Zeit, lassen sich Zeit, der Mensch ist keine Fließbandarbeit. Ehrlich gesagt schätze ich genau das 😉

    Ach wie gerne würde ich jetzt das Land tauschen 🙂

    Liebe Grüße und weiterhin eine schöne Zeit,
    N.

    1. Hallo, vielen Dank für Dein Feedback. Im Prinzip hast Du ja Recht – und ich finde es immer gut, wenn gerade älteren Menschen geholfen werden kann – nicht das das falsch verstanden wird. Aber ich habe wirklich schon über eine Stunde in einer Poststelle verbracht – mit einem einzelnen Brief in der Hand. Ich versuche in meinem Blog oftmals den Vergleich Deutschland – Spanien aufzuzeigen. Aber ich bin vollkommen bei Dir, was die Zeit und Gelassenheit angeht. Das ist einfach wunderbar …..

  2. Bei uns in Toledo ist das genauso. Nur mit einem Unterschied: Nur eine Postangestellte am Schalter, obwohl da sechs Schalter sind! Warum? „Recortes“. UND, um dem ganzen noch die Krone aufzusetzen, steht da so ein gelackmeierter Affe rum in seinem Security Officer Anzug, tut absolut gar nix, (und ein Überfall ist ja nun wirklich nicht abzusehen, Toledo’s Straßen sind 30cm breit, da kommt gar keiner durch, und mit Eile schon gar nicht), und den Rumsteher bezahle ich natürlich auch noch mit meinem Steuergeld. Warum kann man den nicht „recorten“??? Eine halbe Stunde später kommt man dann endlich an den Schalter, und ihnen sind die Briefmarken ausgegangen. Kein Witz!

    1. Wow! Briefmarken aus, das ist natürlich der Oberhammer. In einem Spielfilm würde man denken: Das ist aber jetzt an den Haaren herbeigezogen.
      – Aber hier ist es möglich. Thumbs up!

  3. Für einen effizient denkenden Deutschen, der nie Zeit hat, vor allem nicht wenn er aus seiner Sicht unnötig warten muss, eine Herausforderung.

    Wenn man mit dem Anfangsbuchstaben S des Nachnamens in München aufs Kreisverwaltungsreferat geht, für was auch immer, wartet man grundsätzlich Stunden (mit gezogener Nummer). Wenn es gegen Mittag geht, wo geschlossen wird – und die Schlange noch nicht fertig bedient ist, kann man immerhin das Glück haben, dass sich Beamte von Schaltern benachbarter Buchstaben, die schon durch sind, der Wartenden erbarmen und einen ausnahmsweise bedienen, auch wenn man mit S heißt. Als ich heiratete und der Nachname mit F begann, erlebte ich, dass es auch ganz anders geht. Hingehen, drankommen, rausgehen, fertig. Kleiner Schalter, keine Nummern. F ist gut :).

    Ich hab mich beim Lesen gefragt, wie die Story aus Sicht der älteren Dame aussehen würde, wenn sie die Gegebenheiten mit denen in Deutschland vergleichen würde? Vielleicht würde sie sagen: Da geht es ja so kalt und unmenschlich zu in Deutschland. Hier begegnet man Menschen und wird als solcher gesehen. Vielleicht ist der Schalterbeamte der einzige Mensch, mit dem sie den ganzen Tag spricht und sie ist dankbar drum?

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